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KOLUMNE: Gut gemeint ist meist falsch

von Racha Fajjari

Geschrieben von: Tatjana Strobel – Sozialpädagogin, Hypnosetherapeutin & Bestsellerautorin

Mias Mathematiknoten sind seit einem Lehrerwechsel in den Keller gerutscht.

Mias Eltern, glauben, es hilft ihrem Kind und ihren Leistungen, wenn sie 4x pro Woche Nachhilfe bekommt.
Sie glauben, es wird besser, wenn sie Spiele spielen, die sich um Mathematik drehen…
Sie glauben, dass es gut sei, alle anderen Freizeitaktivitäten erst einmal zu reduzieren…
Sie glauben, dass das Reden über Mathematik, ihr Bewusstsein positiv beeinflusst…

Dieser gut gemeinte Aktionismus, führt bei Mia allerdings zu
– Schulangst
– Leistungsdruck
– Angst die Eltern zu enttäuschen
– Verlust von Freude, da es keine Energietankstellen mehr gibt

So wie Mias Eltern, geht es uns allen.

Wir meinen es gut und vergessen dabei, dass Kinder nicht alles können müssen und mittelmässig auch reichen kann.

Übrigens kann keiner alles! Und das ist auch gut so!

Mias Geschichte ist keine fiktive Geschichte.

Solche Historien häufen sich in meiner Therapeutischen Praxis. Denn das Erlebte wird sich in die Psyche des Menschen eingraben. Diese kleine, vielleicht auf den ersten Blick, unwichtige Episode wird sich im Erwachsenenleben und in der Persönlichkeit der Betroffenen auswirken.

Mia wird einen Bogen um mathematische Ausbildungen/Studiengänge machen. Sie wird glauben, sie sei nicht intelligent genug und habe kein mathematisches Verständnis.

Die damalige Episode kann zu Blockaden rund um das Thema Zahlen, bis zu einer grundsätzlichen Auftritts- Vortragsangst führen.

Der Selbstwert des Menschen wird durch ein solches Erlebnis schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Zusammengefasst, man wird im Leben, weit unter seinem Potential bleiben.

Doch soweit muss es gar nicht kommen, wenn man sich den Themen annimmt.

Denn, was im vollen Alltag häufig vergessen geht, ist die Tatsache, dass sich hinter jedem Problem eine Ursache versteckt.

Mit ganz wenigen, kleinen Tipps kann aus einem solchen Ereignis, etwas grosses Entstehen. Die Eltern-Kind Beziehung kann weiter wachsen, das Kind gestärkt daraus hervorgehen.

Begebe Dich auf Spurensuche. Es wird Euer Leben einfacher und schöner machen.

Nichts passiert einfach so. Es gibt immer ein WARUM!

Im Fall von Mia: Warum ist Mia «plötzlich» schlecht in Mathematik?

Wann hat es angefangen sichtbar zu werden? Dinge passieren nicht von heute auf morgen!

Geht es um ein bestimmtes Thema, oder generell um einen ganzen Themenbereich?

Könnte es etwas mit dem Lehrerwechsel zu tun haben?

Geht Mia gerne zur Schule?

Gibt es ggf. Gründe, die die Konzentrationsfähigkeit meines Kindes in der Schule beeinflussen? Probleme zuhause, ungeklärte Konflikte, grosse anstehende Veränderungen?

Ist es nur das Thema meines Kindes, oder ein gesamtes Klassenthema?

Und jetzt, das wichtigste, wie sieht Dein Kind die Veränderung? Wie geht es ihm damit? Was hat es für Erklärungen? Was wünscht sich Dein Kind an Unterstützung?

Bespreche es, ruhig, liebevoll, einfühlsam. Kinder sind klarer als viele vermuten.

Trenne die Sache von der Person. Dein Kind ist grundsätzlich toll, und liebenswert, das Verhalten, bzw. an der Leistung kann und darf man arbeiten. Bei Bestrafungen beginnt man Verhalten und Mensch in einen Topf zu werfen.

Eine solche Vorgehensweise wird Deinem Kind verdeutlichen, dass Du es ernst nimmst. Es wird verstehen, dass Du da bist und für alle Situationen Verständnis, und Lösungen hast.

Und jetzt kommt die Königsdisziplin der Elternschaft.

Wie gut kennst Du Dich? Wie gut kannst Du Deine Emotionen? Weisst Du warum sie da sind?

Ich trenne Emotionen und Gefühle.

Gefühle sind Dinge, die ich in diesem Moment gerade spüre. Dinge, die in keinem Zusammenhang mit meiner persönlichen Geschichte stehen. Also gerade, wo ich das schreibe, fühle ich mich gut, ich bin neugierig, wie Du meinen ersten Artikel finden wirst.

Emotionen hingegen sind alte, im Unterbewusstsein gespeicherte, negative Erinnerungen, die im Zusammenhang mit ähnlichen Erlebnissen, wieder hervortreten. Beispielsweise wurde mir als Kind vermittelt, ich mache vieles falsch, kann dies oder jenes nicht. Wenn ich diese Emotionen nicht bearbeitet hätte, so könnten sie jetzt mitschwingen in Form einer Angst, dass mein Artikel nicht gut genug ist.

Nicht selten erleben wir durch unangenehme Schulgespräche sogenannte Retraumatisierungen, also abgespeicherte Emotionen werden durch die Gesprächsinhalte wieder zum Leben erweckt.

Womöglich kennen wir die Gefühle: nicht gut genug zu sein, zu versagen, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen, bereits, aus unserer Schulvergangenheit.

Im Fall von Mia, könnten bei den Eltern jetzt folgende Gefühle ausgelöst werden:

  • Schuld- ich habe nicht genug getan- Gerade, wenn ich eine Doppelbelastung habe und das Gefühl, meinen Kindern nicht gerecht zu werden als Dauergefühl in mir trage
  • Versagen- ich habe es nicht im Griff, mein Kind zu einem guten Schüler/Menschen zu machen
  • Angst- mein Kind ist nicht intelligent genug, es wird es zu nichts bringen
  • Gesichtsverlust- Was denken andere über die Leistung meines Kindes? Kann es überhaupt auf ein Gymnasium? Welchen Weg wird es gehen?
  • Ablehnung/Rache der Lehrerin gegenüber- Du kritisierst mein Kind, ich kritisiere Dich
  • Solidarisierung mit der Lehrerin- die Erkenntnis Dein Kind ist Schuld an der Situation
  • Wut- warum tut Dir Dein Kind das an?!Hast Du nicht schon genug Themen?

Versuche Deine Gefühle zu hinterfragen, und sie greifbar zu machen. Meist agieren wir reaktiv, ohne zu verstehen, warum wir so reagieren.

Wir lassen also in das Lösungsgespäch mit dem Kind unsere eigenen Verletzungen und unterbewussten Erwartungen einfliessen.

Du kommst Deinen eigenen Gefühlen gut auf die Spur, wenn Du Dir folgende Fragen stellst: Geht es um meine Interessen, oder vertrete ich die Interessen meines Kindes?

Da viele Prägungen tatsächlich in den ersten 10 Lebensjahren passieren, habe ich mir vor einem Jahr überlegt, meine langjährigen Erfahrungen in Form einer Kinderbuchreihe, die gleichermassen für Kind und Erwachsenen AHA Effekte liefert, zu schreiben.

Pillou, der sprechende Pullover, ist ein Pulli, der die Gefühle seines Trägers fühlen kann. Er versteht es, auf die Ängste und Sorgen von Kindern einzugehen und hilft ihnen dabei, eigenständig mit diesen Situationen umzugehen und Lösungen dafür zu finden.

Für Eltern ist er ein Kompass, der eine liebevolle Eltern-Kind Beziehung verspricht, und Augen öffnet. Im 1. Band geht es um Mia und die Mathekatastrophe. Liebevoll und emphatisch wagt Pillou den Blick hinter die Maske und zeigt uns auf, dass wir alle nur Menschen sind. Er ist überall im Buchhandel erhältlich.


Vergiss nie, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und das ist gut so! Wie langweilig wäre das Leben, wenn wir schon alles könnten und alles wüssten.

Wir haben den Lernplanenten Erde ausgewählt, um uns permanent weiter entwickeln zu dürfen. Und irgendwie macht es total Spass, immer mehr der zu werden, der man wirklich sein kann.

Ich freue mich riesig über Feedback von Dir! Gerne auch zu Themen, die Dich bewegen, was Dich umtreibt, was Du an Input noch brauchst. Du findest mich wöchentlich hier! Bis bald!

Mehr zu mir findest Du unter www.tatjanastrobel.com und www.pillou.de

2 Komentare

Kolumne: Starke Eltern-starke Kinder - Mamalicious World 20. August 2020 - 19:54

[…] Kolumne Nr. 2 – Liebe Eltern, gut gemeint ist meist falsch… […]

Antwort
KOLUMNE: Weisst Du, wer Du wirklich bist? - Mamalicious World 23. September 2020 - 16:36

[…] GUT GEMEINT IST MEIST FALSCH / STARKE ELTERN – STARKE KINDER / WAS IST WIRKLICH WICHTIG IM LEBEN / […]

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