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KOLUMNE: Weisst Du, wer Du wirklich bist?

von Racha Fajjari

Geschrieben von: Tatjana Strobel – Sozialpädagogin, Hypnosetherapeutin & Bestsellerautorin

Liebe Mütter, liebe Väter

Der grösste Feind, den wir Menschen haben, sind wir selbst. Unsere Stimme im Kopf, die wir glauben zu sein, dirigiert unsere Welt. Sorgen, Ängste und Zweifel rotieren permanent und können einen regelrechten Horrorfilm erschaffen, indem wir versinken und versanden. Dieses Selbstbild hindert uns daran, unser Potenzial vollumfänglich zu erkennen und zu leben.

Oft erlebe ich, dass meine Klienten nicht wissen, wer sie sind, und was sie wirklich wollen. Als sei die natürliche innere Verbindung abgebrochen, als könnten gesendete Daten nicht empfangen werden.

Warum das so ist, ist leicht zu erklären.

Alles, was uns in den ersten 10 Lebensjahren passiert, prägt unser gesamtes Leben. Wir sind als Baby, wie ein Computer, der eine Software aufgespielt bekommt, die das Lebensprogramm nachhaltig prägt, unabhängig von unseren wahren Persönlichkeit.

Fälschlicherweise glauben wir gerne, dass die nachträglich hinzugefügte Software, wir selbst sind.

Beispielweise glaube ich, ich sei halt perfektionistisch veranlagt, oder bin eher der helfende Typus, oder ich brauche die Kontrolle über alles. Es erscheint uns natürlich und klar, dass wir so sind. Diese Eigenschaften werden kaum hinterfragt.

Begrifflichkeiten wie Selbstliebe, Selbstbild, Selbstbewusstsein initiieren, dass die Dinge aus uns selbst herauskommen, doch weit gefehlt, in Wahrheit bilden wir unser Bild von uns selbst, über die Meinung und Aussagen unseres Umfeldes.

Diese 5 Dinge sind in diesen ersten Lebensjahren immens wichtig. Vor allem von Mutter und Vater, gleichermassen.

  • Bedingungslose Liebe und Aufmerksamkeit
  • Individualität- die Persönlichkeit des Kindes anzunehmen, ohne zu vergleichen
  • Struktur/Ordnung/Stabilität/Sicherheit
  • Eigene Erfahrungen machen dürfen/eigene Meinung entwickeln dürfen
  • Neugierde des Kindes fördern

Finden diese  5 Punkte nur teilweise, oder nicht statt, so übernimmt das Ego die Führung, und entwickelt daraus reaktive Verhaltensweisen, sogenannte Überlebensmuster . Diese Verhaltensweisen nehmen dann maskenhafte Züge an und übernehmen den Menschen, wenn dieser durch einen «Trigger» in alte unbewusste Erinnerungen zurückkatapultiert wird.

98% aller unserer Handlungen laufen unterbewusst ab.

Ein einfaches Bild zeigt, was das bedeutet. Beim Fussballspiel gibt es in der einen Mannschaft 2 Spieler, in der anderen 98. Wer wird dieses Match wohl gewinnen?

In den nächsten Wochen werde ich Dir die zehn gängigsten Überlebensmuster aufzeigen. Wie man sie erkennt, definiert und wie man aus ihnen herausfindet, um der zu werden, der man unter diesen Masken sein kann.

Wir starten mit Überanpassung, Konfliktvermeidung, Harmoniestreben. Dieses Muster findet man sehr häufig in der Gesellschaft.

Zur Identifikation kannst Du Dir folgende Fragen stellen. Welche Aussagen treffen auf Dich zu?

  • In schwierigen Situationen gebe ich lieber die Führung ab.
  • Konflikte und neue Herausforderungen lassen mich schnell ermüden.
  • Lautstarke, schwierige Situationen verlasse ich.
  •  Es fällt mir schwer, persönliche Differenzen mit anderen Menschen auszuhalten.
  • Es dauert meist sehr lange, bis ich eine Entscheidung getroffen habe.

Wenn Du mehr als dreimal „Ja“ gedacht hast, ist das Muster „Harmonie um jeden Preis“ Teil Deines Handelns.

Glaubenssätze dahinter: „Ich muss artig sein und das machen, was man von mir verlangt!“, „Ich darf keine eigene Meinung haben und darf mich nicht wehren!“, „Ich genüge nicht!“, „Ich muss mich den Wünschen anderer anpassen!“ 

In meinem Kinderbuch, Pillou, der sprechende Pullover, hilft Pillou Mia, aus den erlernten Mustern auszusteigen, und die sein zu dürfen, die sie ist.

Beim Streben nach Harmonie ist der Wunsch, ähnlich wie bei der Perfektion, alle Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen. Dahinter verbirgt sich die tiefe Angst, bei „Fehlverhalten“ oder anderer Meinung abgelehnt zu werden.  Eine Angst die viele Kinder und Erwachsene in sich tragen. Auch Mia glaubt, nicht mehr geliebt zu werden, wenn sie die Erwartungen der Eltern nicht erfüllt.

Diese Menschen haben in jungen Jahren nur dann Anerkennung und Aufmerksamkeit erfahren, wenn sie funktionierten, angepasst agierten und den Wünschen der anderen entsprachen. Damit haben sie gelernt, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu unterdrücken. 

Sie sind aggressionsgehemmt und reagieren auf Kränkungen eher mit Trauer, denn mit Wut. Häufig ziehen sie sich zurück, mauern und leisten passiven Widerstand, was für das Gegenüber sehr schwer nachvollziehbar ist.

Durch das angepasste Verhalten und das permanente Harmoniestreben, haben sie nie gelernt, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu definieren und realisieren. Damit fällt es ihnen unglaublich schwer, Ziele zu definieren, Entscheidungen zu fällen, eigene Wege zu gehen. 

Aus diesem Muster entsteht häufig auch die sogenannte „Aufschieberitis“. Diese ist inzwischen fast jedem ein Begriff. Dahinter steht die Angst vor der Überforderung, Angst, an seine Grenzen zu stoßen und zu versagen. Anstatt sich der belastenden Situation zu stellen, wird prokrastiniert, also Ablenkung in anderen, angenehmeren Tätigkeiten gesucht. Manchmal reagieren Betroffene wie eine Weinbergschnecke und ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, sobald etwas Überforderndes auf sie zu kommt.

Eine wissenschaftliche Studie der Universitätsmedizin der JGU Mainz belegt: Menschen, die wichtige Tätigkeiten aufschieben, leben häufiger ein Single-Dasein. Allein zu sein wird als sichere, freie Option gewertet. Gleichzeitig fühlt der Betroffene jedoch eine tiefe innere Leere und leidet unter der Einsamkeit – ein Teufelskreis! 

Aus Angst anzuecken, sagen sie nur selten was sie denken, fühlen und wollen. Dadurch geraten sie schnell in die Opferrolle und tun Dinge, die sie nicht wollen. Je häufiger dies passiert, umso mehr verübeln sie dem anderen seine „scheinbare“ Dominanz und ziehen sich verärgert zurück, ohne die Situation, die Beziehung geklärt zu haben.

Dieses Muster macht auf Dauer kaputt, führt in die Depression, Esssucht und anderen Kompensationsmuster.

Die Mitmenschen erleben den betroffenen Menschen als angenehm, da dieser stets das macht und sich so verhält, wie man sich das wünscht.

Hast Du Dich wiedererkannt? Glückwunsch! Du bist Dir selbst einen Schritt näher gekommen. Nur wenn wir hinschauen, BEWUSST sind, kann Veränderung passieren. 

So machst Du Dich frei.

Benenne diese Maske, ist diese männlich oder weiblich? Suche Dir einen Namen mit A, am besten einen, den Du nicht so sehr magst.

Beispiel: der angepasste August, die angepasste Angela. Führe Dir vor Augen, wann diese Maske auftritt, wie sich diese im Körper anfühlt, und welche Strategien, Handlungen dann zum Tragen kommen. Schreib es Dir am besten auf!

Bei vielen tritt die angepasste Angela ins Leben, wenn die Person angegriffen, kritisiert wird, die gute Stimmung zu kippen droht, oder sie etwas entscheiden muss, dass andere verletzten oder in Missstimmung bringen könnte. Der betroffene Mensch fühlt sich sofort klein, unter Strom, sieht alle möglichen Konsequenzen voraus. Sofort versucht sie den Druck herauszunehmen, notfalls hält sie als Prellbock hin, um die Ruhe wiederherzustellen. Dabei vergisst sie völlig ihren eigenen Willen, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse.

Der Wunsch nach Ruhe, Liebe und Harmonie liegt über den eigenen Bedürfnissen. Das macht auf Dauer krank, unzufrieden und unterschwellig wütend.

Wenn Du erkennst, dass die angepasste Angela Dir nun das Ruder entreisst, Dich vom Fahrersitz entfernt, und aus dem Wagen wirft, darfst Du eingreifen.

Jetzt darfst Du die Anzeichen der feindlichen Übernahme durch Angela kommen sehen. Platziere sie auf dem Rücksitz und begreife, warum sie sie da ist. Geh dabei in den Dialog mit Deiner Maske und verstehen sie mehr und mehr.  «Warum bist Du hier? Beginne nachzuforschen, woher kennst Du diese Gefühle? Gibt es alte Erlebnisse zum Thema?

Wenn Du Deine Masken auslagerst, werden diese schwächer und schwächer. Du wirst zum Beobachter und kannst so herausfinden, welche Schätze sich unter den Masken verbergen, und wer Du wirklich bist.

Nächste Woche geht es um das Überlebensmuster Macht und Kontrolle.

Wenn Du mehr zu Deinen Masken herausfinden möchtest, findest Du unter www.tatjanastrobel.de/Maskenball-technik/ ein Video und ein Onlinecoaching

Bis bald! Für Fragen und Wünsche stehe ich sehr gerne zur Verfügung!

Herzlichst

Tatjana Strobel

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