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Mami-Kolumne: Über Me-Time, Papi-Tag(e), Vereinbarkeit, Kindeswohl und Vaterschaftsurlaub

von Racha

Kleine Einleitung: Das Ziel ist alles das, was im Titel steht, gleichzeitig zu haben. In ca. 2’000 Jahren sind wir dann (hoffentlich) mal soweit. Darüber und über querbeet alles was uns Mütter in der heutigen Zeit beschäftigt, schreibe ich ab sofort regelmässig in meiner Mami-Kolumne.

Heute schreibe ich meine erste (neue) Mami-Kolumne, weil ich auf einmal Zeit habe. Weisst du wie ich das gemacht habe? In einem Gespräch mit meinem Partner klagte ich, dass ich für nichts Zeit finde, weil unsere zuckersüsse kleine Maus (ich versuche es mit Liebe zu umschreiben), zurzeit halt einfach noch 24/7 Nähe braucht. Ich bin bald am Ende meines Mutterschaftsurlaubs und mache mir langsam Gedanken darüber, wie es wohl sein wird, wenn ich wieder arbeite. Ich habe keinen Plan davon, wie ich das mit dem Arbeiten und einem Baby unter einen Hut bringen soll/werde. Ich habe die Zuversicht und das Vertrauen, dass das schon irgendwie geht. Was für mich definitiv nicht geht, ist unsere Tochter mit 3.5 Monaten bereits in einer Krippe abzugeben. Ich habe höchsten Respekt vor allen Eltern, die das tun (müssen). Aber ich glaube, selbst wenn ich es tun müsste, würde ich es nicht tun. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Wie bereits erwähnt, sie braucht soviel Nähe und Aufmerksamkeit, das bräuchte wenn dann eine Nanny, aber das kann und möchte ich mir zurzeit auch nicht leisten.

Um darauf zurückzukommen, warum ich gerade Zeit habe diese Zeilen zu schreiben, ich habe meinen Partner gebeten, jeweils von 7 bis 8 Uhr die Schicht zu übernehmen, damit ich – komme was wolle – diese Stunde für mich allein habe und unter anderem zum Beispiel wie heute meine Mami-Kolumne für euch schreibe. Ich bin seit der Geburt meines ersten Kindes Frühaufsteherin. Ich stehe seit zehn Jahren mehr oder weniger jeden Tag um 6 Uhr auf. Unsere Kleine schläft (zum Glück) grundsätzlich ganz schön gerne und lang. Ich stille sie noch kurz bevor ich mein Me-Time-Programm starte und dann schläft sie nochmals mindestens eine Stunde. Ich habe meinen Partner offen und ehrlich darauf angesprochen, dass ich Zeit brauche, ich mir diese gerne schaffen möchte und er mir aber dabei helfen muss. Wir müssen das manchmal tun, um Hilfe bitten. Ausserdem kostet ja Fragen nichts. Ich freue mich jetzt jeweils wie ein kleines Kind auf diese Stunde. Das ist grossartig.

Heute ist im Übrigen so oder so «Papa-Tag». Wer kennt diesen Begriff? Ich will mich jetzt nicht darüber lustig machen, aber sowas gabs vor zehn Jahren noch nicht, resp. sowas wurde mir damals noch keineswegs angeboten, auch niemandem in meinem Umfeld. Ich finde es grossartig, wie bei den Väter 80% Arbeitspensum, also Teilzeitarbeit, auf einmal salontauglich wird und der Papa-Tag auf einmal der schönste Tag der Woche für sie wird. In vielen Hinsichten sind wir Frauen und Mütter in der Gesellschaft benachteiligt. In der obgenannten Hinsicht jedoch, ziehen die Männer und Väter den Kürzeren. Nämlich Zeit mit den Kindern und das entsprechende Verständnis dafür vom Arbeitgeber. Nach dem Mutterschaftsurlaub hat mein Partner einen ganzen Papa-Tag, sowie jeweils zwei ganze Vormittage (ein weiterer ganzer Tag), wo er halt einfach erst mittags ins Büro geht und länger arbeitet. Und halt eben meine «ganz eigene Stunde für mich» jeden Morgen, da er jeweils erst um 9 im Büro sein muss. Nein, er hat nicht den entzückendsten Arbeitgeber der Schweiz, er ist selbstständig. Wir sind beide selbstständig, drum können wir es uns einrichten.

Bis zur Geburt habe ich 100% in meiner eigenen Firma (angestellt) gearbeitet. Wenn ich zurückkomme, arbeite ich nur noch 50%, von Zuhause aus. Die Unterstützung meines Partners macht schon ganze 40% aus. 10% davon werde ich einfach improvisieren oder eine der beiden wundervollen Grossmütter unserer Tochter anrufen, die uns versprochen haben, uns so gut es geht dabei zu unterstützen, damit die Kleine vor zwei Jahren nicht extern betreut werden muss. Das ist mein Plan. Ach und dann lese ich gerade noch „Die-4-Stunden-Woche“ von Tim Ferriss, das wäre das Ziel. Wohl eher der 4-Stunden-Tag aber gut, ich bin zuversichtlich… Mein erstes Kind war ab eins ganze drei Tage in der Krippe und ich persönlich empfand es nachträglich als suboptimal für mein Kind. Ausserdem bin ich ein grosser Remo Largo-Fan und auch er sagt, dass zwei Jahre das optimale Alter ist, in die Krippe zu gehen und ja, die Krippe ist vom sozialen oder auch nur schon organisatorischen Aspekt her wichtig, aber es ist auch wichtig, dass Kinder bis zwei Jahre das bekommen, was sie brauchen, was rein organisatorisch in einer Krippe gar nicht möglich ist. Ich weiss nicht ob ich mir nun mit diesen Zeilen Feinde schaffe. Das möchte ich nicht, ich möchte niemanden beleidigen oder hässig machen. Aber ich möchte ehrlich meine Gedanken schildern können. Vereinbarkeit ist für Eltern ein grosses Wort (und Problem) in der Schweiz. Nämlich ist es so, dass das „Problem“ noch lange nicht gelöst ist. Die Schweiz ist diesbezüglich im internationalen Vergleich quasi das absolute Schlusslicht.

So sieht das bei mir aus. Zumindest die improvisierten 10%.

Was in meinem Denken viel mehr Sinn machen würde, wäre wenn der Staat Mütter bis zum zweiten Lebensjahr finanziell unterstützen würde. Ich meine über die 3.5 Monate hinaus. Dabei zu unterstützen, einen gesunden neuen Erdenbürger und somit ein Teil der Gesellschaft zu erziehen. Die Starthilfe ins Leben für ein neues Lebewesen unterstützen. Aber jetzt starten wir doch diesbezüglich mal mit dem Vaterschaftsurlaub, auch wenn zwei Wochen meines Erachtens lächerlich sind. Ich möchte nicht undankbar sein, aber spätestens seit Corona wissen wir, dass es lächerlich ist. Was sind schon zwei Wochen? Hier geht es meiner Meinung nach nicht einmal darum, dass der Vater «eine bessere Bindung» aufbauen kann, die kann er auch so aufbauen, denn nicht Quantität, sondern Qualität spielt hier eine Rolle. Was es aber zumindest bringt ist, dass er Mama in dieser besonders anstrengenden Zeit unterstützen kann, lernen zu verstehen kann, was ein Neugeborenes bedeutet und ehrlich gesagt ist es auch ziemlich hart, nach einer schlaflosen Nacht, ins Büro und funktionieren zu müssen. Ausserdem ist es bestimmt auch gut für die Beziehung oder die bereits bestehenden Kinder, die auch ein Recht auf Aufmerksamkeit haben, wenn ein neues Kind auf die Welt kommt. Mal abgesehen von der emotionalen Achterbahn, die so eine Situation mit sich bringt. Zwei Wochen um sich auf ein komplett neues Leben, eine komplett neue Realität einzustellen. Als Familie, aber auch einfach als Vater. Das ist das Mindeste.

VATERSCHAFTSURLAUB – JETZT!

Wie «vereinbarst» du dein Leben als Mutter und Angestellte oder als Unternehmerin? Ich freue mich, wenn du deine Gedanken in meiner Mami-Kolumne mit mir teilst, denn meine sind nur eine Sicht der Dinge. Es braucht auch immer mehrere Perspektiven um inspiriert und des besseren belehrt zu werden. Ich bin gespannt!

Übrigens, kannst du gut schreiben und hast du auch Lust und Zeit hier eine Mami-Kolumne zu schreiben? Schreib uns eine E-Mail und stell dich und deine Vision vor, wir freuen uns auf deinen Input!

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2 Komentare

Manisha 22. Juli 2020 - 8:31

Liebe Racha
Sehr schön geschrieben.Ich stimme dir voll und ganz zu.Ich bin auch der Meinung,dass ein Kind das Recht hat die ersten 2 oder lieber 3 Jahren zu Hause betreut werden sollte.Diese Zeit braucht ein Kind zum ein Urvertrauen auf zu bauen.Ich habe beides selber erlebt mit meinen zwei Jungs.Der erste musste mit 4 Monaten in die Krippe weil ich noch meine Lehre als Kleinkinderzieherin absolvieren musste.Er war zwar in der gleichen Krippe wie ich aber nicht auf meiner Gruppe.An den Schultagen hatte meine Mama auf ihn aufgepasst.Die beste Betreuung für ihn.Sie kam sogar immer mit ihm in die Schule damit ich stillen konnte.Danach habe ich nie wieder in einer Krippe gearbeitet.So konnte ich meine zweite Schwangerschaft und Geburt in vollen Zügen geniessen.Vorallem nachher die Zeit als Mama mit meinen zwei Jungs zu Hause.Ich war einfach Mama und genoss jede Minute mit ihnen.Mein Mann und ich merken aber ein Unterschied zwischen den zwei Jungs.Obwohl beide unsere Liebe und Geborgenheit bekamen ist der zweite Sohn viel selbstbewusster und steht mit beiden Beinen im Leben.Und der erste wo in die Krippe ging nicht.Und ich denke es hat wirklich damit zu tun ob ein Baby schon fremd Betreut wird oder nicht.
Ich wurde mit 3 Monaten adoptiert und mein Urvertrauen war nirgends.Ist ja auch klar.Wie sollte es auch.3 Monate in einem Kinderbettchen in einem Kinderheim in Mumbay und kaum etwas zu Essen.Meine Eltern und mein Bruder gaben mir von Anfang an die Liebe und die Geborgenheit wo ich brauchte um zu wachsen.Meine Mutter hatte mich auch die ersten zwei Kindergartenjahre Jeden Tag begleitet.Im ersten Jahr sass sie hinter mir und später durfte sie in die Garderobe mit einem Buch.Ich brauchte sie und die Sicherheit.Als ich in die Schule kam war mein Urvertrauen da und ich ging und gehe auch jetzt noch als selbstbewusste und selbstsichere Frau durchs Leben.
So fertig geschrieben.Jedenfalls muss hier in der Schweiz noch vieles passieren was Mama/Papa sein und Job anbelangt.

Antwort
Madlen 25. Juli 2020 - 20:51

Einen wunderbaren Text hast du da geschrieben liebe Racha.
Ich habe meine beiden Mädels beide jeweils nach einem halben Jahr in die Krippe gegeben. Ich hatte weder eine Mama, Schwiegermama oder sonst noch jemanden aus der Familie, der hätte aufpassen können. Ich hatte jedoch von Anfang an ein gutes Gefühl, es waren nur jeweils 3x vormittags. Schon früh hatten beide gelernt was es heisst, mit vielen anderen Kinder zusammen zu spielen, zusammen zu essen und einfach auch mal eine andere Umgebung kennenzulernen. Wenn die beiden dir beim abholen in die Arme springen vor Freude – dieses Gefühl ist unglaublich schön. Wie sie mir erzählen, was sie alles erlebt haben, mit voller Begeisterung, stimmt mich glücklich. Es gibt hier kein richtig oder falsch. Wichtig ist, wie sich die Eltern dabei fühlen. Ein glückliches Mami ist auch ein gutes Mami, und die Kinder spüren schon früh, wie es Mama geht. Dies als kleiner Gedankengang von meiner Seite. Allen eine wunderbare Elternzeit. Herzliche Grüsse, Madlen

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