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MEMBER SPOTLIGHT – Katharina Eisenmann eröffnet die „Serendipity“ Montessori-Krippe in Zollikon

von Racha Fajjari

Geschrieben von Racha Fajjari – im Interview mit Katharina Eisenmann & Zoe Georgi

Katharina und ich, Racha, sind seit über 15 Jahren befreundet. Getrennt vom Kindsvater lebt sie da mit ihren zwei Kindern und ihrem Bruder in Zollikon in einem wunderschönen Haus, ich nenne es gerne „die gemütliche Villa Kunterbunt“. Auch ihre Nanny, Zoe, lebt mit ihr zusammen und ist heute auch ihre Geschäftspartnerin. Katharina und Zoe erziehen die Kinder seit Jahren gemeinsam und leben zusammen. Was sie ebenfalls gemeinsam haben, ist die Montessori-Philosophie, welche Zoe leidenschaftlich erlernt und in ihrem Berufsleben als Montessori Pädagogin und -Lehrerin seit 5 Jahren lebt, sowie Katharina diese für ihre beiden Kinder (5 und 7 Jahre) für das Richtige empfindet. Da beide Kinder nun schulpflichtig sind, bleibt mehr Zeit für das gemeinsame Herzensprojekt „Serendipity„, eine Montessori-Kindergruppe im Grünen im Herzen Zollikons. Die Kindergruppe bilingual geführt, auf Englisch und Deutsch. Mehr dazu erfahren wir im Member-Spotlight Interview mit Katharina und Zoe.

Ich gratuliere euch herzlichst zu der Eröffnung eurer eigenen kleinen aber wirklich feinen Montessori-Kindergruppe. Ich bin begeistert und habe unsere Tochter schon mal angemeldet, dauert jedoch noch etwas, denn die Kinder werden erst ab 18 Monaten aufgenommen. Wieso habt ihr euch für die Montessori-Methode entschieden?

ZOE: Die Montessori-Philosophie ist eine Methode, die mir sehr am Herzen liegt. Ich selbst war ein Montessori-Kind und bin davon überzeugt, dass es eines der größten Geschenke war, welche meine Eltern mir hätten machen können. Sie entschieden sich ursprünglich für diese Unterrichtsmethode, als sie eine Montessori Kindergruppe auf einem Spielplatz in Wien beobachteten. Meine Mutter erzählte mir, dass sie dort schwanger mit ihrem ersten Kind saß und beobachtete, wie die Lehrer neben einem Baum standen und Kinder darin kletterten. Ihr erster Gedanke war Angst, bis sie bemerkte, dass die Lehrer die Kinder bestärkten und immer wieder fragten, ob sie sich sicher fühlten. Die Kinder evaluierten selbst, wie sie sich fühlten und erkundeten gestärkt und mit Zuversicht ihre körperlichen, sozialen und geistigen Fähigkeiten. Die Kinder waren forscher, wissbegierig und herzensfroh. Selbst jetzt, Jahre später, liebe ich es immer noch zu lernen und zu erforschen, ich habe den Wunsch zu handeln, zu sehen, zuzuhören, zu erleben und beizutragen. Angst habe ich auf meinem Schulweg nie erlebt, neue Herausforderungen wurden auf meine Stärken aufgebaut und somit war ich war bereit freudig ins Lernen einzutauchen und neues zu erforschen. Im Alter von vier Jahren zum Beispiel war ich absolut verliebt in Division, es war einfach das aufregendste Spiel mit Zahlen. 

KATHY: Die Montessori-Methode konzentriert sich auf die ganzheitliche Entwicklung eines Kindes und fördert Unabhängigkeit, reale Lebenserfahrungen, Gemeinschaft, Neugierde, selbst gesteuerte Erziehung und eine tiefe Liebe zum Lernen. In der modernen Welt ist es eine großartige Methode, die einen einheitlichen Lehrplan, Unterrichtsphilosophie und konstante Umgebung bietet, unabhängig davon, wo auf der Welt man sich befindet. Diese Art von Stabilität ist unglaublich hilfreich für Familien, die mit ihren Kindern in verschiedenen Ländern wohnen.

Erklärt uns bitte die Montessori-Methode, für Diejenigen, die noch nie davon gehört haben, oder sich bisher nur im Ansatz damit beschäftigt haben. Was genau bedeutet Montessori und woher kommt die Philosophie?

ZOE: Die Montessori-Philosophie wurde vor über 100 Jahren von Dr. Maria Montessori in Italien entwickelt. Ihre grundlegendsten Wurzeln beruhen auf der Liebe und dem Respekt, die man dem Kind entgegenbringt.  Dr. Montessori zum Beispiel war die Erste, die sagte, dass Kinder, Tische und Stühle in ihrer Größe benötigen. Etwas so Normales für uns heute war damals schockierend. Sie glaubte, dass Kinder unglaublich fähig seinen und mit den richtigen Werkzeugen und unter den richtigen Umständen alles tun können, was sie wollen. 

KATHY: Ihre Methode umfasst fünf Hauptbereiche, darunter das praktische Leben, in dem Kinder alles lernen, was sie in unserer Welt umgibt, vom Kochen, Waschen, für sich selbst sorgen bis zur Gemeinschaft und Umwelt. Der Sensorische Bereich bietet wundervolle Aktivitäten, die darauf abzielen, die Sinne der Kinder sowie Bewegung zu verfeinern. Der Sprachbereich, in dem auch viele unterschiedliche Materialien verwendet werden, integriert Sprache, Wortanalyse, Schreiben und Lesen auf die freundlichste und spielerichste Weise. Die Mathematik, die ebenfalls auf ansprechende und unterhaltsame Weise integriert wird, bietet „Spiele“, welche komplexe Operationen ausführen. Bruchrechnen zum Beispiel bietet praktische Materialien, die ein abstraktes Konzept aufgreifen und es konkret präsentieren. Der letzte Bereich wäre die kosmische Erziehung welche Geschichte, Geographie und Biologie umfasst. Alle Bereiche verweben sich, während Kinder an Projekten arbeiten, Interessen erkunden und neue Dinge entdecken.

Die Montessori-Einrichtungen in der Schweiz sind sehr kostenintensiv, das kann sich nicht jede Familie leisten wenn wir ehrlich sind. Wenn man aber trotzdem nicht darauf verzichten möchte, hat man ja auch noch die Möglichkeit, diese Methode eigenständig zuhause zu praktizieren. Geht das?

KATHY: Je nach Alter des Kindes kann man zu Hause als Erstes die Umgebung auf die Bedürfnisse des Kindes vorbereiten. Machen Sie einen Schritt zurück und evaluieren Sie, wie Sie Ihrem Kind helfen können selbstständig am alltäglichen Leben teilzunehmen. Schritte wie diese können von Geburt an unternommen werden und machen richtig Spaß, sobald sie anfangen zu krabbeln. Wenn Kinder wachsen, evaluiert  und ordnet man die Situation von neuen. Dadurch erhalten Aufgaben zum Beispiel mehr Auswahlmöglichkeiten und Komplexität. Dies könnte bedeuten, dass man niedrige Regale für Kinder schafft, diese mit Farben und Symbolen kindgerecht kennzeichnet, um Aktivitäten selbständig auszusuchen und dann wieder aufzuräumen. Den Kleiderschrank mit 2-3 saisonal angemessenen Outfits für die Kinder zur Auswahl zu stellen oder einen niedrigen Tisch in der Küche zu platzieren, an dem die Kinder am Kochvorgang teilnehmen können. Dies mag entmutigend klingen und Angst auslösen, dass man plötzlich eine Mikro-Schule in seinem Haus hat. Hier bitte keine Sorge, Sie müssen Ihren Haushalt nicht neu ordnen um Ihr Kind zu befähigen, sich stark und ernst genommen zu fühlen und sich als ein wichtiger Teil der Familie zu sehen. Hier und da ein paar wenige Schritte, und Sie können beobachten, wie Ihre Kinder mit ihrer neu gefundenen Verantwortung aufblühen und wachsen.

Wir sprechen ja auch bei der Montessori-Methode immer von der Individualität des Kindes. Gibt es entsprechend Kinder, bei denen die Methode nicht funktioniert, weil es das Kind persönlich einfach nicht anspricht. Passt die Methode für jedes Kind?

ZOE: Dies ist eine knifflige Frage, ich möchte ehrlich “Ja” dazu sagen, denn es ist für jedes Kind richtig. Jedes Kind wird geboren und fängt an zu lernen und wer möchte nicht mit bunten Bändern tanzen, Kontinente kennenlernen, internationale Gerichte kochen, sich die Hände schmutzig machen und Land- und Wasserlandschaften bauen. In all meinen Lehrjahren kann ich ehrlich sagen, dass jedes Kind in der Montessori-Methode aufgeblüht ist. Die Sache ist jedoch eine Frage der Werte und welche Werte  Eltern gerne mit ihren Kindern teilen möchten. Die Montessori-Methode basiert darauf, Selbständigkeit zu erwerben, Kindern die Freiheit zu geben reflektierte Entscheidungen zu treffen und konsequenzen zu erleben wie auch das kreativen Querdenkern zu fördern. Basierend auf meiner jahrelangen Erfahrung in verschiedenen Ländern und Gemeinden, ist dies bei manchen Familien nicht immer der Fall.

Die Montessori-Methode ist eine Investition in das Kind, ich kenne auch Menschen, die es sich nicht wirklich leisten konnten, jedoch alles Mögliche getan haben, dass das Kind davon profitieren kann und dass sie es sich leisten konnten. Wenn man es selbst praktiziert, braucht dies viel Geduld. Was ich fragen möchte, lohnt sich das? Wie profitieren die Kinder davon wenn sie erwachsen sind?

ZOE: Mit einem Blick in die Vergangenheit sehen wir Menschen, die ihre schulische Laufbahn in Montessori Schulen abgeschlossen haben und selbst ihren Antrieb, ihr Denken, ihre Leidenschaft und ihr motiviertes Lernen mit ihrer Zeit in der Montessori Schule verbinden. Diese sind beispielsweise Julia Child (Köchin), Anne Frank (Autorin), Erik Erikson ( Psychologe Jeff Bezos (Gründer von Amazon) Friedensreich Hundertwasser (Künstler & Architekt) Helen Keller (Politische Aktivistin, Autorin, Dozentin, verliehen mit der Freiheitsmedaille des Präsidenten) George Clooney (Oscar-Preisträger, Regisseur, Produzent, Friedens Botschafter der Vereinten Nationen) sowie Larry Page und Sergey Brin (Gründer von Google). Die Möglichkeit zu haben, zu lernen, zu analysieren und zu hinterfragen, ermutigt zu werden Beiträge zu leisten, umzudenken, an Projekten zu arbeiten und frühzeitig Verantwortung zu übernehmen, prägt Menschen für ihr ganzes Leben.

Ihr habt zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahre im Haus, die von Anfang an nach der Montessori-Methode erzogen und geschult wurden, zuhause bis zum Kindergarten. Nun besuchen Sie die öffentliche Schule. Wie hat sich das bisher auf deine eigenen Kinder ausgewirkt Kathy?

KATHY: Das ist eine schwierige Frage. Ich denke jede Mama ist da etwas sehr enthusiastisch wenn es um Ihre eigenen Kinder geht… Nun, was mir am meisten auffällt ist, dass sie für sich selber Denken. Sie evaluieren jeweils “Traue ich mir das zu oder frage ich nach Hilfe” dies wiederum, gibt ihnen sehr viel Selbstständigkeit, da ich beruhigt bin, dass Sie über ihr Handeln nachdenken und zu mir kommen wenn Sie es nicht können. Dies wiederum bedingt, dass sie sich reflektiert ausdrücken können und eine hohe Konzentrationsspanne haben. Das können sie, weil sie von Anfang an dies üben durften, da Selbstständigkeit ja auch bedingt, dass sie sich überlegen durften wie sie nach Unterstützung fragen und erst von dem ablassen wenn sie ihr Wunschziel erreicht haben. Weiter sind meine Kinder im hier und jetzt glücklich da sie in einem sicheren Bereich selbst Entscheidungen treffen wie sie, was machen.

Für mich als Mama heisst das aber auch, dass ich Kinder habe die ganz genau wissen was sie wollen und sehr selbstbewusst sind. Wahrgenommen als eigenständiges Individuen und vor allem ernst genommen, übernehmen sie immer mehr Verantwortung und es ist sehr spannend zu sehen, wie sie dadurch auch sehr hilfsbereit und einfühlsam anderen Menschen gegenüber sind. Durch das spielerische heranführen an die Montessorimaterialien und Methoden, sind sie fasziniert von Rechenaufgaben, Buchstaben, der Geschichte und Biologie. So, dass ich teils Ärger von Ihnen bekomme wenn ich gerade keine Lust auf die lustigen Matheaufgaben mit Ihnen habe.

Hand aufs Herz, gibt es auch Nachteile der Montessori-Methode?

KATHY: Die Implementierung der Montessori-Methode zu Hause hat keine Nachteile. Man braucht nicht mehr Geduld, Fürsorge oder Liebe, als man seinem Kind sowieso geben würde. Allerdings wollen Sie ja keine Schule mit all den Materialien zuhause haben und die umfangreiche Ausbildung dazu machen. 

ZOE: Eine echte Montessori-Umgebung ist AMI-akkreditiert (Association Montessori International), und die einzige echte Methode, die von Dr. Montessori entwickelt wurde. Die Zeit und die finanziellen Investitionen, die Lehrer für ihre AMI-Ausbildung benötigen, sind umfangreich. Die Einrichtung und Instandhaltung einer Monessori Klasse ist ebenso kostenaufwändig. Ein Kind in eine AMI Montessori Schule zu bringen, ist eine finanzielle Investition, die jeden Cent wert ist. Mahatma Ghandi, ein Unterstützer und persönlicher Freund von Maria Montessori, sagte einmal, dass er alles liebt, was in Montessori-Klassenzimmern passiert. Er nannte es die friedlichste und liebevollste Art zu lernen, fügte jedoch hinzu, dass er wünschte, die lokalen Schulsysteme würden dies sehen und das Potenzial direkt vor ihnen ergreifen, so dass die Montessori-Methode, kostenlos und für alle zugänglich sein könnte.

Wie ist das denn wenn man mit der Montessori-Krippe und dem Kindergarten beginnt, macht es dann nicht auch gleich Sinn, die Montessori-Schule zu besuchen oder kann man beliebig wieder in ein anderes Schulsystem switchen?

ZOE: Ja, im Idealfall können Kinder ihre Ausbildung in Montessori fortsetzen. Montessori Schulen die für Kinder die mit der Matura abschliessen sind sind oft mit einem Bauernhof oder einem Hotel verbunden. Somit erarbeiten Teenager den gesamten Akademischen Schulstoff und lernen gleichzeitig Verantwortung zu übernehmen, Konsequenzen für ihr handeln ist sehr real, ihr wissen wird angewendet, Kinder verstehen warum sie etwas lernen und Kooperation und Teamwork wird gefördert. Besonders in den herausfordernden Teenagerjahren ist das Wissen, dass die eigenen Handlungen wichtig sind, dass man gebraucht wird und das jemand von einem abhängig ist, unglaublich hilfreich und beruhigend. Jede gute Montessori Schule muss mit den Jüngsten anfangen und im laufe der Zeit die älteren Altersgruppen hinzufügen.

Kommen Kinder, die eine Montessori Krippe und/oder Kindergarten besuchen, dann auch in der normalen Schule gut zurecht?

KATHY: Absolut, Kinder können sich leicht anpassen, Wissen ist Macht, Wissen wie zu lernen, sich gestärkt und fähig zu fühlen, selbstständig zu sein, dies hindert kein Kind daran, eine andere Umgebung zu betreten. Anders als von mir gewünscht, sind meine Kinder mittlerweile in dem öffentlichen Schulsystem. Dies ist aus Mangel an verfügbaren und qualitativ hochwertigen AMI Montessorie Schulen in Zürich. Beide haben sich ohne Probleme und lückenlos in das System eingefügt und ich möchte sogar behaupten mit einem grossen Vorsprung. Einmal gelernt wie man Probleme und Herausforderungen selber lösen kann ist es wie Radfahren.

Ihr habt dieses Jahr euer erstes Jahr mit eurer Montessori-Kindergruppe. Was ist eure langfristige Vision?

ZOE: Wir wollen eine Umgebung schaffen, die sich auf die ganzheitliche Erziehung des Kindes konzentriert, einen hochwertigen AMI-Lehrplan mit allen Wundern der Welt und eine wunderschöne Umgebung bietet, die einzigartig, liebevoll, heimelig und bereit ist, sie zu erkunden und daraus zu lernen. Es ist uns wichtig, dass Kinder nicht nur im Klassenzimmer forschen und lernen sondern ihre Aktivitäten auch ins Freie nehmen können. Ein Gemüsegarten, in dem Kinder beispielsweise Karotten, Kürbisse, grüne Bohnen und viele andere köstliche Leckereien pflanzen, für die Ernte sorgen und daraus köstliche Gerichte kochen können. Verschiedene Tiere welche die Kinder täglich lieben, pflegen und die Verantwortung übernehmen. Weiter ist es uns wichtig jedem Kind zu zeigen, dass lernen Spaß macht. Kinder sind wissbegierig und natürliche Forscher. Wenn Kinder Interesse an Themen und Projekten zeigen ist eine Förderung eine wunderbare Möglichkeit das Potenzial der Kinder zu stärken. 

Für den Fall, dass sich nun jemand gerne bei euch anmelden möchte, habt ihr in eurer Start-Gruppe überhaupt noch Platz?

KATHY: Im Moment haben wir nur noch wenige Plätze zur Verfügung. In den kommenden Monaten ist jedoch ein Umzug in eine größere Schule geplant welche unser Angebot noch vielfältiger machen wird und weitere Plätze hinzufügt.

Mehr Infos über die neue Serendipity Montessori-Kindergruppe und deren Blog findest du unter: http://serendipity.education

Zum Thema Montessori @ Home empfehlen wir auch den Blog von CHEZ MAMA POULE.

Für Montessori Material empfehlen wir www.montessori-material.de

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